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Gottesdienst am Sonntag Trinitatis (7.6.2020)

Gottesdienst an Trinitatis 07. Juni 2020
in der Marienkirche zu Büdingen

Pfarrer Andreas Weik und Kantorin Anne Schneider
Corona-Quintett: Anne Schneider, Katharina Gündra, Barbara Küper, Sebastian Köhler, Hubertus Protz


Eingangslied EG 155, 1-3 – Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Psalmlied EG 461 – Aller Augen warten auf dich Herre
Schriftlesung (zugleich Predigttext):  4. Mose 6, 22-27
Wochenlied EG 139, 1-3 – Gelobet sei der Herr
Predigt zu 4. Mose 6, 22-27
Predigtlied: Gott segne dich (aus dem Beiheft zum EG in Bayern Nr. 109)
Schlusslied EG 331, 1,3,5,11 – Großer Gott, wir loben dich


 

Predigttext und Text der Schriftlesung: 4. Mose 6, 22-27

Und der Herr redete mit Mose und sprach:
Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. 

Liebe Gemeinde,

seit einiger Zeit habe ich mir angewöhnt das Glaubensbekenntnis mit anderer Betonung zu sprechen. Nicht mehr den Betonungsbogen, wie so häufig gesprochen über den ganzen ersten Satz: Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer, des Himmels und der Erde…
Sondern: „Ich glaube an Gott“ (Pause und Doppelpunkt): Den Vater, den Allmächtigen.

Worin liegt der Unterschied? Wenn ich spreche: „Ich glaube an Gott“, dann ist dies wie eine Überschrift über die folgenden drei Teile, die drei Sichtweisen, die drei Glaubenserfahrungen, wie wir Gott denken, glauben und leben können.

Trinitatis, das sei auch so ein sprödes Fest im Jahreskreis, sagte mir kürzlich eine kirchliche Insiderin. Trinität ist vielleicht etwas für die Studierstuben mittelalterlicher Theologen, aber für uns heute?
Gott ist Einer und gleichzeitig in drei Erscheinungsweisen erkennbar?
In der Tat, es braucht etwas gedankliche Turnübung, es braucht eine gewisse Anschaulichkeit, um zu verstehen, zu glauben und zu leben, was Trinitatis, was die Drei-Faltigkeit und Drei-Einigkeit bedeuten. Dreifaltigkeit ist das Fest gegen die Ein-Tönigkeit. Ein Ton ist ja auch ganz schön, aber erst die Terz formt den Klang.

I Die Trinität als Gottesbild denken:

Wer Gott ist, das bildet sich in der Dreiheit aus.

Es ist wie ein Flyer, hält man ihn in der Hand, steht auf dem Titelblatt „Ich glaube an Gott“ und dann muss man ihn auffalten – und dann zeigen sich die drei Seiten Gottes,
den wir als Vater und Schöpfer denken und glauben und leben dürfen – und als Sohn und unser Bruder – und als Heiliger Geist und in der Christengemeinschaft lebendig.

Noch einmal in einem Dreieck gezeigt: Da ist der dreieinige Gott. Die Dreifaltigkeit will sich entfalten
… und wir sehen in der Schöpfung Gott am Werk und können einstimmen in den Jubel: Wunderbar sind Deine Werke Gott -mich eingeschlossen;
… und wir sehen Jesus Christus, das leuchtende Angesicht Gottes, der unserr Bruder geworden ist;
… und wir sehen den Geist Gottes, den Heiligen Geist, der in uns wirkt und uns miteinander in Liebe und Verantwortung verbindet.

Das Verblüffende: Wenn sich dieser dreieinige Gott entfaltet sehen wir wieder ein neues Dreieck, die gleiche Dreieinigkeit, die gleiche Dreifaltigkeit, die neu entfaltet werden will.

Würden wir uns jeweils nur auf einen Aspekt begrenzen, dann könnte leicht ein Gottesbild von Gott
– als einen „harmlosen Vater überm Sternenzelt“ entstehen oder einem Gott der für nationale Interessen missbraucht wird.
– Würden wir ihn auf den Mensch gewordenen Jesus reduzieren, würde der Glaube im Humanismus aufgehen.
– Und beschränken wir uns auf den heiligen Geist, so hätten wir eine esoterische Geistreligion.

Sich Gott als Dreiheit zu denken umfasst jedoch die ganze Tiefe des Lebens, den Gott ist nicht eintönig.

II Die Trinität glauben 

In den Psalmen findet sich fast immer ein besonders Stilmittel, dass eine Aussage noch einmal verändert wiederholt wird.
Lobe den Herrn meine Seele, – und was in mir ist seinen Heiligen Namen-
Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.

Dahinter steht die Einsicht, dass man eine Sache, einen Gedanken, ein Gefühl immer noch einmal von einer anderen Seite aus betrachten und formulieren muss, um es wirklich zu erkennen. Es braucht immer noch einmal einen anderen Zugang. Das Denken des Alten Testament, geht von der Zweiseitigkeit aus. Es braucht immer ein Gegenüber. In der Psychologie entwickelte sich der Gedanke: Erst durch mein Gegenüber werde ich zum Ich.

Wenn der Psalmbeter als sagt: „Lobe den Herrn meine Seele, -und was in mir ist seinen Heiligen Namen“
Und dann zweitens fortfährt: „Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.“
Dann ist das eine stille Aufforderung: Und nun Du, stimme auch mit ein.
Schaue auf Dein Leben und siehe, was Dir von Gott Gutes getan wurde.

Die Zweiheit der Aussage lockt eine dritte – nämlich meine Zustimmung oder Ablehnung hervor.

In der griechischen Philosophie wurde daraus das „Dialektische Prinzip“ All unser Denken, all unsere Erkenntnis folgt nach dem Prinzip, dass ich eine These aufstelle, eine Gegenthese gegenüberstelle und durch logische Abwägung der Gegenrede zur Synthese gelange. Und das Ergebnis, die Synthese selbst wird wiederum zur neuen These. Und das Gedankenspiel auf der Suche nach Wahrheit beginnt von Neuem.
(Nebenbei bemerkt funktioniert so übrigens auch Demokratie.)

Gott ist Einer und entfaltet sich in dreifacher Weise.

(Antons Jonglage)

Dreieinigkeit braucht Anschaulichkeit. Drei Bälle sind drei Bälle. Aber erst indem man sie ins Spiel miteinander bringt, wird daraus ein Kunstwerk, eine Jonglage. Danke an Anton.

Glaube ist eben keine in Stein gemeißelte Ewige Wahrheit. Glaube ist Beziehung und dadurch immer in Bewegung.
Gott ist Heiliger Geist und Sohn und Vater und so Einer. Ich bin Verstand und Herz und Hand, ich denke, fühle und handle und doch Einer. Mensch. Ebenbild Gottes.

Der dreieinige Gott will gedacht, geglaubt und gelebt werden.

III Die Trinität glauben 

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden.

Auf Martin Luther geht die Entscheidung zurück, dass der evangelische Gottesdienst mit dem Segen Aarons und seiner Söhne, dem sogenannten Aaronitischen Segen, endet.

Was tun wir, wenn wir segnen:
Segen, das meint, wir legen den Namen Gottes auf die Menschen. Auf das, was da war und was da ist und das was kommen wird. So wie ein Maler sein Bild signiert. Es ist von mir und ich stehe dazu. Benedicere, das Lateinische Wort: Etwas gut sprechen. Und dieser Name, diese Signatur kann nicht ausradiert werden. Segen kann nicht ungeschehen gemacht werden.

Segen kann man sich nicht nehmen. Segen wird zugesprochen.

Somit ist kann man Segen nicht für sich selbst beanspruchen und es gibt wohl keinen größeren Verrat als den Segen Gottes gegen andere zu verwenden. Dann heißt es nicht mehr: „Gott mit Dir“. Sondern „Gott mit mir“. Dann heißt es nicht mehr: Der Segen Gottes sei mit Euch, sondern „Gott mit uns“ und unter diesem Motto sind Menschen in den Krieg gezogen und wurden Waffen gesegnet.

Für sich selbst in Anspruch genommen wird der Segen verraten und zum Fluch. Und was soll man heute von einem denken, der Demonstranten, die gegen Rassismus protestieren,  wegknüppeln lässt um dann mit der Bibel zu posieren. Jesus würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er denn nicht auferstanden wäre.

Und der Herr redete mit Mose und sprach:
So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

In dreifacher Gestalt wird uns zugesagt, was wir zum Leben brauchen. Der Segen verspricht dir das, was Du zum Leben brauchst.

In dreifacher Gestalt macht Gott uns Mut das Leben anzugehen. Wir sind dabei nicht allein. Wir brauchen nicht anmaßend behaupten, wir seien selbst unseres Glückes Schmied. Dieses Glück kommt auf uns zu; wir müssen nur dazu bereit sein, es anzunehmen. Gott meint es gut mit Dir.

Gott behüte dich:
Gott will, dass dein Leben gelingt. Er erspart dir das Schwere nicht; aber er gibt dir die Kraft, es zu tragen, und wandelt es zum Guten.
Gott steht dir bei, sei getrost.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir:
Als Mose von seiner Begegnung mit Gott zurückkam, da lag ein Strahlen auf seinem Gesicht. Ein Strahlen im Gesicht, das das Leuchten des Angesichtes Gottes widerspiegelt.
In Jesus zeigt Gott dir sein gnädiges Angesicht.

Gottes Gnade leuchtet über dir: sie zeigt dir den Weg in die Freiheit. Fürchte nicht, dass Gott dich auf deine Fehler festlegt. Er schaut mit den Augen der Barmherzigkeit auf dich. Warum solltest du dann unbarmherzig auf andere oder auf dich selbst schauen. Mach dich davon frei! Atme auf!

Gott erhebe sein Angesicht auf dich:
Sein Blick richtet dich auf, ermutigt dich zu deinem Weg. Und das soll ein Weg des Friedens sein. Auf diesen Weg des Friedens richtet Gott unsere Füße. Deshalb brauchen wir nicht unstet umherzuirren.
Wir suchen immer wieder Wege; aber das Ziel ist uns vorgegeben.

Amen.


Fürbittengebet

I           Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie Gemeinschaft gelingt.
Sei mit deinem Segen in dieser Welt,
die zerrissen ist, zerstritten, geschändet,
gequält von Hass und Gewalt.

II          Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie wir einander verstehen.
Sei mit deinem Segen bei denen,
die gegen Hass und Gewalt demonstrieren.

III         Du dreieiner Gott,
lehre uns, Versöhnung zu suchen.
Sei mit deinem Segen bei denen,
die sich der Gewalt verweigern und Brücken bauen.

Wir rufen Dich an

I           Du dreieiner Gott,
lehre uns, barmherzig zu sein.
Sei mit deinem Segen bei den Kranken
und Sterbenden und bei denen, die sie pflegen und beschützen.

II          Du dreieiner Gott,
lehre uns, füreinander dazu zu sein.
Sei mit deinem Segen bei denen,
die mit ihrem Wissen und Können dem Leben dienen.

III         Du dreieiner Gott,
lehre uns zu glauben.
Sei mit deinem Segen in deiner weltweiten Kirche,
in unserer Gemeinde, bei unseren Freunden und Familien.

Wir rufen Dich an

I           Du dreieiner Gott
lehre uns die vielfältigen Begabungen unter uns zu sehen.
Wir danken für den langen und treuen Dienst von Heide Anschütz.
Sei mit deinem Segen bei ihr.
Lass Glaube, Liebe und Hoffnung in ihr wohnen
und sie weiterhin ein Segen sein für die Menschen, die ihr begegnen.

II          Du dreieiner Gott,
lehre uns, Deine Kirche zu bauen und für eine Welt des Friedens einzustehen.
Wir danken, dass Wiebke Mayer nun unser Gemeindebüro betreut und für die Menschen eine Anlaufstelle ist.
Sei mit deinem Segen bei ihr.
Schenke ihr den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

III         Du dreieiner Gott,
du bist die Quelle, du bist das Leben,
bei dir ist Frieden.
Dir vertrauen wir uns an – heute und alle Tage. Amen.

Bildquellen

  • Marienkirche Gewölbe: © flashlens e.K., Hans-Jürgen Keck

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