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Jahresthema 2015: Bild und Bibel

„Schatzi, schenk mir ein Foto, ein kleines Foto von dir“ so lautet eine Zeile eine Schlagers. Mit Smartphone und Internet kein Problem. Das Bild erreicht in Sekundenschnelle den Empfänger, der jetzt „Schatzi“ auf dem Handy hat und nach Belieben darüber verfügen kann. „Schatzi“ wird nun immer und überall abrufbar sein. Das Foto bleibt allerdings eine Momentaufnahme und trifft doch nie die Wirklichkeit von „Schatzi“. Es bedarf einer Begegnung „in echt“.

„Lieber Gott, schenk mir ein Foto, ein kleines Foto von dir“. Hätten wir das nicht alle gerne? Von seiner Existenz würden wir uns mit einem Blick vergewissern, wenn uns Zweifel beschleichen. Gott wäre immer und überall bei mir und (be)greifbar.

„Du sollst dir kein Gottesbild noch irgendein Gleichnis machen“, so beginnt das Bilderverbot in den Zehn Geboten. In seiner Entstehungszeit wendete es sich gegen die Anfertigung von hölzernen oder steinernen Figuren, die einen Gott/eine Göttin darstellen sollten. Menschen verwechselten das Abbild ihres Gottes mit Gott selber. Wie soll diese Figur über göttliche Qualitäten wie Allmacht, Allwissen, Barmherzigkeit verfügen? Eine noch so kunstvoll gestaltete Figur bleibt letztlich doch nur ein Stück Holz oder Stein.

Wie können wir von Gott, dem Unbegreiflichen, dem ganz Anderen, dem Unverfügbaren anders sprechen als in uns vertrauten Bildern? In der Tat „malen“ wir ein Bild von Gott mit Worten z. B. als Schöpfer, Retter, Hirte, Vater/Mutter, Richter. Oder wir malen ihn mit Farbe – Kirchenwände, Gemälde bezeugen dies. Und wer dies als Übertretung des biblischen Bilderverbots sieht, zerstört vielleicht solche Bilder. So geschehen im Zuge des „Bildersturms“ nach der Reformation Martin Luthers. Luther selbst hatte gar nichts gegen Bilder Gottes. Er schreibt, Bilder helfen uns, etwas zu erklären, zu verstehen, Anderen unsere Wirklichkeit ansatzweise zu verdeutlichen. Luther rief aber zum richtigen Umgang mit Bildern auf. Ein Bild bleibt immer ein Bild und ist nie die Person oder eben Gott selbst.

Einmal übers Smartphone wischen und „Schatzi“ ist verfügbar – leider nur digital. Ein Kniefall vor einem Bild und Gott ist verfügbar – vermutlich nicht. Aber Gott verspricht, dass er zur Verfügung steht – nicht nach unseren, sondern nach seinen Vorstellungen. Nach dem Zeugnis der Bibel hat Gott sich vorgestellt als der, der uns immer begleitet („Ich bin, der ich bin, werde sein, der ich sein werde“) und als der, den wir ansprechen dürfen („Vater“). Er bietet uns an, immer wieder neue, andere Erfahrungen mit ihm zu machen. In unseren Gotteserfahrungen wird Gott wirklich; dazu bedarf es keines Bildes. Angesichts unserer Möglichkeiten, Fotos zu bearbeiten und Wirklichkeit zu verfälschen ist es gut, dass es kein Foto von Gott gibt. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns immer wieder anders begegnet, sehr wirklich, sehr echt, ganz er selber – und kein Bild von ihm.

Mit Ihrem Smartphone oder PC können Sie täglich ein neues Bild zum diesjährigen Thema der Lutherdekade – „Bibel und Bild“ – anklicken: https://www.diebibel.de/startseite/bild‐und‐bibel/

Bildquellen

  • Marienkirche Netzgewölbe: Dieter Turner

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