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Engelskonzert in der Marienkirche

Das Orchester unserer Landeskirche (EKHN-Orchester) sowie der Frauenchor toninton und der Kleine Chor an der Marienkirche gestalteten am vergangenen Sonntag ein Benefizkonzert in der Marienkirche zugunsten der Diakoniestiftung Büdinger Land.

Für dieses Jahr hat sich die Kirchengemeinde das Thema „Engel“ als Leitmotiv gegeben und dementsprechend stand das Chor- und Orchesterkonzert unter dem Titel „Befiehl dem Engel, dass er komm“. Diese Liedzeile ist der Beginn der vorletzten Strophe des Abendlieds „Christ, der du bist der helle Tag“ aus dem 16. Jahrhundert, das aus der Feder des aus Friedberg-Bruchenbrücken stammenden Erasmus Alberus stammt und bis heute einen festen Platz im Gesangbuch hat.

Eröffnet wurde das Konzert vom EKHN-Orchester mit der Sinfonie Nr. 104 von Joseph Haydn. Das EKHN-Orchester setzt sich aus ehrenamtlich Musizierenden zusammen, die aus dem gesamtem Gebiet der Landeskirche kommen und sich unter Leitung des des Diplomkapellmeisters Bjön Hadem projektweise treffen um sich gemeinsam Orchesterwerke zu erarbeiten. Die Sinfonie stammt aus Haydns Londoner Zeit und ist eine der letzten überhaupt, die er komponierte. In der Musikwissenschaft wird sie als einer der Höhepunkte seines Instrumentalwerks und zugleich als Lehrstück der klassischen Sinfonie angesehen. Beginnend mit einem signalartigen Motiv im Adagio, das einstimmig vom gesamten Orchester gespielt wird, werden nacheinander die beiden Themen in einem Allegro vorgestellt und miteinander verbunden. Den zweiten, langsamen Satz hat Haydn als Thema mit Varationen ausgeführt. Ein Menuett bildet abschließend die Überleitung zum festlichen Finale.

Das Frauenensemble toninton sang anschließend drei lateinische Motetten des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy von der Empore, was bereits engelsgleichen Charakter hatte. Begleitet wurden sie dabei einfühlsam und souverän von Sebastian Köhler an der Hillebrand-Orgel. Die Motten, die ursprünglich für ein Nonnenkloster in Rom geschrieben wurden, sehen Solisten vor, die der Chor mit Karin Hammel, Marie Schäfle, Christine Klein, Astrid Nagel, Barbara Küpper und Andrea Schima aus seinen eigenen Reihen besetzen konnte.

Ebenso aus seinen eigenen Reihen besetzen konnte das EKHN-Orchester die Solistenpartien der folgenden Instrumentalkonzerte. In Mozarts bekanntem Hornkonzert in Es-Dur stellte Paul Landsiedel den variantenreichen Klang seines Instrumentes dar. Als Zäsur sang der Kleine Chor an der Marienkirche im Anschluss die achtstimmige Vertonung des Psalmvers „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Diesen Chorsatz hat der Komponist ebenso in einem seiner bekanntesten Werke, dem Oratorium „Elias“, verwendet, das Anfang Oktober in den Kirchen in Gedern und Büdingen vollständig zu hören sein wird.

Weniger bekannt hingegen ist das Konzert für zwei Klarinetten des aus der Mannheimer Schule stammenden Komponisten Carl Stamitz, in dem die Einflüsse der französischen Hofmusik deutlich hörbar waren. Die Solisten Arne Guth und Elke Weikmann konnten hierbei ihr Können anfangs nacheinander demonstrieren. Die Solistenpartien verbanden sich anschließend mehr und mehr bis die Solisten in der Schlusscoda beide zusammen ohne Orchesterbegleitung in den Schluss überleiteten.

Die Kantate „Befiehl dem Engel, dass er komm“ des Lübecker Komponisten Dieterich Buxtehude (1637-1707), musizierten die Streicher des Orchesters und der Chor mit Andrea Schima am Orgelpositiv anschließend zusammen. Es handelt sich hierbei um ein Werk, dass für eine der geistlichen Abendmusiken in der Lübecker Marienkirche geschrieben wurde und in dem der Komponist durch Wiederholungen je nach Lautstärke entweder eine Echowirkung oder eine Bestärkung der vorangegangenen Takte erzeugt. Im mittleren Teil wird wiederum in einen wiegenden Dreiertakt übergeleitet, der bis zum Schluss – dann allerdings im Allegro – beibehalten wird.

Anschließend folgten der Chorsatz „Gott hät mir längst einen Engel gesandt“ des Seligenstädter Kirchenmusikers Thomas Gabriel, den der Chor a capella sang. sowie das bekannte Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ in einer Vertonung von Johann Sebastian Bach.

Zum Abschluss waren alle noch einmal gefordert: den Kanon „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her“ hat Barbara Müller für Chor und Orchester arrangiert und lud darüberhinaus noch alle Anwesenden zum Mitsingen ein, so dass dieses berührende Konzert mit gemeinsamen Gesang und lang anhaltendem Applaus zuende ging.

 

Bildquellen

  • Marienkirche nachts vom Schloss – 1: Dieter Turner

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