Marienkirche8Es sind vor allem Gesuche, Bewilligungen und Ablehungen für Orgel-Reparaturen und Orgel-Um- oder Neubauten, aus denen wir über die Geschichte der Instrumente in der Marienkirche erfahren. Im Jahr 1499 wird der Einbau einer Orgel erwähnt.

1586 erhält die Marienkirche ein neues Instrument, dass allerdings schon 1601 den strengen Anschauungen der reformierten Lehre zum Opfer fällt und abgebrochen wird. Erst 1705 gibt der Cantor und Organist Philip Carl Otto Lang in einem Gesuch um Bewilligung einer dringend nötigen Reparatur eine Schilderung über den beklagenswerten Zustand der kaum noch spielbaren Orgel. Dass er mit seiner Bitte Erfolg hat, bestätigt der Vermerk:

„… daß die Orgel möge reparieret und Zurecht gemacht werden, haben die gestrengen Herrschaften consentieret.“

Schon zwei Jahrzehnte später wird wieder eine neue Orgel geplant, die 1725 „examiniert und wohl gemacht befunden“ wurde. Dieses Instrument war bis um 1800 in Gebrauch.

Eine neue Orgel, von dem bedeutenden Orgelbauer Bürgy in Homburg erbaut, wird im Jahr 1801 in eKirchendeckeNetzinem feierlichen Festgottesdienst eingeweiht. Dass Musik, in diesem Fall die Orgel, einen hohen Stellenwert für die Büdinger Bürger hatte, bezeugt eine Lotterie, die in den 1890er Jahren für eine inzwischen wieder fällige neue Orgel veranstaltet wurde und die für die damalige Zeit erstaunliche Summe von 2 128,35 Mark einbrachte.

Im Jahr 1896 wird zum Preis von 9 900 Mark eine neue Orgel mit 23 klingenden Stimmen, 2 Manualen und Pedal von der bedeutenden Orgelbaufirma Walcker aus Ludwigsburg geliefert. Sie bekommt ihren Platz auf der Nordempore, gegenüber der Kanzel, wo sie nach einer gründlichen Renovierung und klanglichen Neugestaltung durch die Orgelbaufirma Förster und Nicolaus aus Lich im Jahr 1953 der Gemeinde bis 1971 diente.

Seit 1971 beseitzt die Kirche in der neuen, von der Firma Hillebrand (Hannover) erbauten Orgel ein klangschönes Instrument mit 28 klingenden Stimmen, 2 Manualen und Pedal. Ihren Platz hat sie wieder über dem Haupteingang auf der Westempore, die zur Musikempore mit Platz für Chor und Instrumente erweitert wurde. Nicht unerwähnt bleiben darf der künstlerich sehr gelungene Orgelprospekt von Dr. Wolff (Hannover) der dem Innenraum harmonisch angepasst ist.

(zusammengestellt aus einem Beitrag von Hanna Eggert, Kirchenmusikerin in Büdingen 1965-1975)


Disposition der Hillebrand-Orgel von 1971

I. Hauptwerk II. Oberwerk (schwellbar) Pedal
Pommer 16′ Gedackt 8′ Subbaß 16′
Prinzipal 8′ Quintade 8′ Oktavbaß 8′
Rohrflöte 8′ Prinzipal 4′ (abschaltend im piano) Gedacktbaß 8′
Oktave 4′ Spillflöte 4′ Oktave 4′
Blockflöte 4′ Nasat 2 2/3′ Nachthorn 2′
Quinte 2 2/3′ Waldflöte 2′ Mixtur 4f. 2 2/3′
Spitzflöte 2′ Terz 1 3/5′ Posaune 16′
Sesquialtera 2f. 2 2/3′ Scharf 4f. 1′ Trompete 8′
Mixtur 4-6f. 1 1/3′ Krummhorn 8′ Cornett 4′
Trompete 8′ – Tremulant –

 

Orgelbauer: Hermann Hillebrand, Altwarmbüchen (Niedersachsen)
Baujahr: 1971
Windladensystem: Schleifladen
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: elektrisch
Tonumfang: C-g3 (Manuale), C-f1 (Pedal)
Koppeln: Mechanische Normalkoppeln (II/I, I/P, II/P) mit Registerwippen und Pistons
Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Tutti

 

Bildquellen

  • Marienkirche von Süden: Dieter Turner
  • Marienkirche Netzgewölbe: Dieter Turner
  • Hillebrand-Orgel Marienkirche: Benjamin Müller