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Pfingstgottesdienst am 31.5.2020

Gottesdienst an Pfingstsonntag 31. Mai 2020
in der Marienkirche zu Büdingen

Pfarrer Andreas Weik und Kantorin Anne Schneider
Corona-Quintett: Anne Schneider, Katharina Gündra, Barbara Küper, Sebastian Köhler, Hubertus Protz


Eingangslied EG 134, 1-4 – Komm, o komm, du Geist des Lebens
Psalm 118 (bay. EG 785)
Schriftlesung: 1. Mose 11 Turmbau zu Babel
Motette „Der Heilig Geist vom Himmel kam“
Predigt zu Apostelgeschichte 2,1-18
Predigtlied EG 268 Strahlen brechen viele
Schlusslied EG 135, 1,3,4 – Schmückt das Fest mit Maien


Eingangsgebet aus Taizé:

Heiliger Geist, Geist des lebendigen Gottes,
du durchdringst die Seele bis auf den Grund.
Dein Reich, dein Leben sind in uns.
Wie gern möchten wir uns dir überlassen, dir alles anvertrauen,
die anderen wie uns selbst. Amen


Predigt zu Apostelgeschichte 2:1-18

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie (die Apostel) alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.“

Liebe Gemeinde,

Wann waren Sie zuletzt so richtig be-geistert?

Als ich diese Frage vor zwei Jahren beim Schützengottesdienst zu früher Stunde in der Schlosskapelle stellte, da begannen kurze Seitenggespräche und ich hörte „Gestern Abend“. „Ich auch“, setzte ich meine Predigt fort und zwar – um 20.11 Uhr das erste Mal, und dann in Minute 82 das zweite Mal und dann schließlich in Minute 90 + 6 das dritte Mal.

Es war der magische Abend in Berlin und wer den Adler auf der Brust trägt, wird den Abend nie vergessen als Eintracht großartigen Fußball spielte und Bayern München ohne den Pokal von Berlin aus nach Hause schickte.

Fußball kann Menschen begeistern, fremde Menschen liegen einander in den Armen und verstehen sich und Nicht Fußballbe-Geist-erte stehen daneben, schütteln den Kopf und sagen: Nicht wie damals, sie sind wohl voll des Süßen Weins“, aber : Die Menschen sind verrückt.

Diese Begeisterung liegt nun zwei Jahre zurück. Heute ist alles anders. Gestern Nachmittag Durchatmen bei den Eintrachtfans ob gewonnenem Sieg und die Bayern ziehen wieder einsam ihre Kreise an der Spitze der Bundesligatabelle. Ob da bei dem gewohnten Bild über einen 5 : 0 Sieg gegen Düsseldorf noch Begeisterung aufkommt, kann man ja mal die Bayernfans auf der Empore fragen.

Begeisterung fällt in diesen Zeiten schwer. Wenig Be-Geist-erung – dafür Geisterspiele, damit der Rubel bzw. der Euro rollt. Nicht nur beim Fußball.

Pfingsten in Corona-Zeiten. Das Leben normalisiert sich, aber mit angezogener Handbremse. Gottesdienste finden statt, aber auf Abstand.

Es fällt mir nach wie vor schwer, dass ich mich vor meinem Mitmenschen schützen muss und sie sich vor mir. Ich möchte nicht Abstand halten, sondern würde Ihnen gerne beim Verabschieden die Hand geben. Ich möchte Sie beieinander sitzen sehen. Ich hätte gerne die Gesänge aus den Bänken hinter mir im Ohr und die Gemeinschaft, die meinen Glauben beflügelt. Ich sehne mich nach der Stärkung durch das Abendmahl und unseren Kreis hinten im Altarraum.

Jetzt kommt ein anderes Bild vom Heiligen Geist zum Tragen:
Dass er der Geist ist, der Neues schafft und die Kreativität in uns weckt. So kann ich an diesem Pfingstfest 2020 nicht anders als einstimmen in die alte Bitte:
Veni Creator Spiritus! Komm, Schöpfergeist. Du Schöpferischer Geist.

Wovon sprechen wir, wenn wir vom „Heiligen Geist“ reden?

Die Pfingstgeschichte erzählt in so wundervollen Bildern vom Geist Gottes, der die Menschen erfüllt.
Die Jünger, die sich voller Angst hinter Mauern eingeschlossen haben, treten aus der Tür, treten vor die Menschen und trauen sich, sich zu ihrem Glauben zu bekennen.
Es ist der Geist Gottes, der Angst überwindet

Feuerflämmchen tanzen vom Himmel. Und fallen herab auf die Menschen. Auf einmal werden Menschen begeistert – sind Feuer und Flamme – brennen für die Sache Jesu.
Es ist der Geist Gottes, der mich begeistert

Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen, verstehen sich aber doch, weil der Geist Gottes sie trotz ihrer Unterschiedlichkeit verbindet.
Es ist der Geist Gottes, der uns aus einem Munde sprechen lässt.

Ein Brausen kommt vom Himmel auf. Frischer Wind zieht ein. Der alte Mief wird weggeblasen – Auf einmal spüren die Menschen, wie gut es tut, frische Luft zu spüren. Und sie saugen die frische Luft tief in sich ein.
Es ist der Geist Gottes, der frischen Wind bringt.

Eine große Einigkeit tritt ein. Männer und Frauen verstehen sich, die sich nie zuvor gesehen haben. Eine schrankenlose Welt scheint sich aufzutun. Das alles verheißt Pfingsten. Ein Fest wird gefeiert, das als Erntedank begann und nun in ein Fest der Freude und Versöhnung umschlägt. Gottes Geist ist nicht dazwischen gefahren, sondern er hat sie alle ergriffen. Neu erkennt ein jeder sich selbst und den andern. Ein wunderbarer Moment.
Es ist der Geist Gottes, der Menschen einander verstehen lässt.

Wir reden vom Pfingstwunder. Und es ist wunderbar, wenn dieser Geist Gottes uns überfällt.

Und doch ist die Frage: Hat es wirklich alle ergriffen, sind alle beteiligt?
Nun scheinen aber auch ein paar Leute dabei zu stehen, die sagen, was sich da abspielt, das ist nicht normal. Eine Ausgelassenheit, aber auch ein Lallen, wie man es von Betrunkenen kennt, Sie können es nicht einordnen und kommen zu dem Fazit: Zu viel Wein. Ganz klar. Jugendliche würden heute sagen: Was haben die geraucht?

So ist es also doch nichts mit der ganz großen Einheit. So sehr sich die Menschen auch verstehen. Nicht alle sind überzeugt. Vielleicht sind es die ewigen Skeptiker – manche halten das für gefährlich. Aber die erreicht ohnehin niemand.

Pfingsten, so scheint es, erleben eben nur die Aufgeschlossenen. Diejenigen, die sich tatsächlich nicht hinter Mauern verschanzen. Der frische Wind kommt ihnen zur rechten Zeit. Dies löst Verunsicherung bei den anderen aus.

Veni Creator Spiritus! Komm, Schöpfergeist. Du Schöpferischer Geist.

Pfingsten hat eine Gegengeschichte, die zu Beginn der Bibel erzählt wird.
In der Urgeschichte wird auf unterschiedliche Weise in symbolischen Geschichten von Adam und Eva, von Kain und Abel, von Noah und der Arche erzählt, wie das Vertrauen zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Gott zerstört wird. Da ist auch vom Tumbau zu Babel zu lesen. Vom Größenwahn und vor allem davon, wie sich eine Stadt, eine Kultur ein Denkmal setzen will. Schaut auf uns: Wie haben den Größten. Den Größten Turm aller Zeiten.

Wir wissen um die Symbolkraft hoher Türme. Schauen wir nur auf die Skyline von Mainhatten mit den Logos der Banken und Versicherungen an ihren Spitzen.
In diesen Tagen ist um das Berliner Stadtschloss ein Streit darüber entbrannt, ob man wirklich wieder ein goldenes Kreuz auf die Kuppel setzen musste. Das Humboldforum steht doch schließlich für Völkerverständigung und weist auf das Unrecht hin, das auch im Namen des Christentums über die Völker gekommen ist. Die Kritik zielt vor allem auf den umlaufenden Spruch, der zur Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum auffordern würde.

Ich habe dazu noch keine abschließende Meinung. Nur so viel: Wenn dieses Kreuz – wie so oft in der christlichen Geschichte – als Unterwerfungssymbol verstanden wird, dann reiht es sich ein in die Geschichte der Türme von Babel. Wenn es aber als Hinweis verstanden wird, wir schauen auf den Gekreuzigten, dem sich Gott an die Seite gestellt hat und zum Christus erhoben, und deshalb muss unser Blick immer zuerst den Gekreuzigten unserer Zeit gelten, dann weht hier der Geist von Pfingsten.

Veni Creator Spiritus! Komm, Schöpfergeist. Du Schöpferischer Geist.

„Zu Pfingsten in Jerusalem, so heißt es in einem Kinderlied, da ist etwas geschehn.“ Die Jünger reden ohne Angst, und jeder kanns verstehn.

Pfingsten hat etwas mit Überwindung von Angst zu tun. Und es hat etwas damit zu tun, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreise damals nun Parther und Meder und Elamiter, sich verstanden, trotz aller Sprachunterschiede.
Also Grenzen überwinden, Abstände überwinden. 

Ich habe sehr viel schöpferischen Geist erlebt in diesen letzten Wochen. Wer alles für wen Masken genäht hat. Inzwischen schaut manch einer in den Kleiderschrank und überlegt, welche Maske will ich denn heute tragen. So viel nette Gesten zwischen den Menschen. Welches Engagement Lehrer für ihre Schüler an den Tag gelegt haben. Was Eltern alles mit ihren Kindern überlegt und umgesetzt haben. Auch welche Wege wir hier in der Kirchengemeinde miteinander gegangen sind.
Es ist nicht so, dass Kontakte weniger geworden sind. Ich habe mich über manchen Anruf nach vielen Jahren gefreut. „Ach, ich hatte Deine Telefonnummer noch im Adressbuch.“ Ich habe jetzt mal etwas Zeit und dachte, ich melde mich mal wieder. Wie schön. Ich habe mich wirklich gefreut.

Dieser schöpferische Geist war auch in anderer Weise wirksam: In der Zeitschrift Publik Forum las ich dieser Tage von einer Frau, die ein Patenkind aus einer jungen christlichen Familie hat, die aus Nigeria nach Deutschland gekommen ist. Über Jahre wurde es den jungen Leuten vom Ausländeramt schwer gemacht, eine Arbeit aufzunehmen. Dann machte er eine Ausbildung zum Altenpfleger und sie übernahm Reinigungstätigkeiten in einem Pflegeheim. Auf einmal war die Kinderbetreuung gesichert, denn beide Elternteile wurden als „systemrelevant“ eingestuft. Da war also hinter den Kulissen Gottes Schöpfergeist am Werk.

Veni Creator Spiritus! Komm, Schöpfergeist. Du Schöpferischer Geist.

Wenn auch manches begeisternde Konzert und vielleicht auch der ein oder andere begeisternde Festgottesdienst in großer Zahl nicht stattfinden kann – ich bedaure dies sehr – der Schöpfergeist, er ist unter uns am Werk. Gott sei Dank. Und den dürfen wir auch gebührend feiern. Amen.


Fürbittengebet

Komm, Heiliger Geist. Du willst bei uns wohnen.
Wir strecken uns nach dir aus, denn Du wirst die Welt verwanden.

Wir sind in Unruhe. Komm zu uns mit deiner Weisheit.
Viele sind in dieser Zeit verunsichert.  Komm mit deiner Klarheit.

Die Mächtigen sind uneins, Politiker suchen den richtigen Weg.
Komm mit deinem Rat.

Die Wissenschaftler und Forscherinnen mühen sich.
Komm und schenke ihnen Erkenntnis.

Wir rufen Dich an: (Corona-Chor singt: Kyrie eleison)

Komm, Heiliger Geist. Du willst bei uns wohnen.

Komm, Du Geist der Liebe,
erweiche die Hartherzigen und die von Hass bestimmt werden.

Komm und lass die Gedemütigten aufatmen und schenke den Schutzlosen Beistand.
Komm, damit sich die Wunden der Gefolterten schließen
und die Seelen der Missbrauchten Ruhe finden.

Komm, Du Geist der Liebe und verwandle uns.

Wir rufen Dich an: (Corona-Chor singt: Kyrie eleison)

Komm, Du Geist des Trostes,
rühre die Traurigen an. Sei denen nahe, die sich in Ängsten quälen

Komm und mache den Schmerzen und der Verzweiflung ein Ende.
Schenke denen Mut, die ihre Hoffnung schon begraben haben
Komm, Du Geist des Trostes und richte uns auf.
atme in uns.

Wir rufen Dich an: (Corona-Chor singt: Kyrie eleison)

Komm, Geist des Friedens,
schaffe dir Raum in den Herzen der Mächtigen,
der Wissenden und Einflussreichen.
Komm, damit Krieg und Unrecht ein Ende haben.

Komm zu deiner weltweiten Kirche.
Wirke in ihr und durch sie, was zum Frieden führt.

Schenke uns deinen schöpferischen Geist,
dass wir weiter Wege zu einander finden

Komm, du schöpferischer Geist des Friedens und wohne in uns.
Wir rufen Dich an: (Corona-Chor singt: Kyrie eleison)

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